Geschichte des Familiareninstituts Südtirol/Tirol
Als es am Ende des Ersten Weltkrieges darum ging, den bisherigen Deutschen Ritterorden in einen Klerikalen Orden umzuwandeln, war es das Anliegen einiger weitblickender Ordensbrüder, darunter des späteren 62. Hochmeisters Marian Tumler, in die neuen Ordensregeln eine Bestimmung zu integrieren, die es im Sinne der altehrwürdigen Ordenstradition ermöglichen sollte, dem Orden „hervorragende Wohltäter“ als Familiaren anzuschließen. „Gegen die Meinung des Apostolischen Visitators“ Hilarin Felder war dies im Jahre 1929 gelungen, womit in gewisser Hinsicht die Primärgrundlage für ein Familiareninstitut modernen Zuschnitts geschaffen worden war.
Nachkriegszeit und Wiederbelebung
Verursacht durch die Wirren des alsbald ausbrechenden Zweiten Weltkrieges erfolgte in den folgenden neuneinhalb Jahren wiederum nichts. Erst am 5. November 1947 wurden die nächsten Familiarenaspiranten aufgenommen, diesmal insgesamt fünf: Franz Weger, Josef Nock, Matthias Gasser und Achilles Pellegrini aus Lana, sowie Fridolin Thuile aus Gargazon. Ihre Investitur erfolgte am 27. Jänner 1949 durch Marian Tumler, der ein Jahr zuvor Hochmeister geworden war. Noch im gleichen Jahr wurde Georg Plangger, Gemeindearzt in Sarnthein, ins Familiareninstitut aufgenommen, sodass dasselbe zu diesem Zeitpunkt sieben Mitglieder zählte.
Wachsende Gemeinschaft und Veränderungen
Nach einigen weiteren Jahren der Untätigkeit kam es 1953 zur Investitur von drei Rittner Bürgern – Max Wieland, Anton Plattner und Konrad Oberrauch. In den folgenden 13 Jahren wurden sodann die Herren Josef Baron Kripp, Josef Brandtstätter, Josef Gruber, Karl Mitterdorfer, Franz Kofler und Alois Margesin als Familiaren aufgenommen, sodass das Familiareninstitut im Mai 1966, da die vorderhand letzte Investitur stattgefunden hatte, insgesamt 13 Mitglieder zählte, nachdem bis dahin die Confratres Thuile, Zuegg und Gasser durch Tod schon wieder ausgeschieden waren. War die Gemeinschaft der Südtiroler Familiaren zu diesem Zeitpunkt noch relativ klein, so war sie zum Zeitpunkt der Approbation des Familiareninstitutes durch den Heiligen Stuhl im Jahre 1965 um so bedeutungsvoller, als dass es sich auf dieser Grundlage nun neu konstituieren und vergrößern konnte.
Die erste Vollversammlung
Entgegen der verschriftlichten Bestimmung im Familiarenstatut wurde bei dieser ersten Vollversammlung Franz Weger per acclamationem zum Vertreter der Familiaren Südtirols bestellt und ihm auf eigenen Wunsch Josef Brandstätter als Stellvertreter beigegeben.
Bei dieser ersten Vollversammlung ging es aber auch um die Einführung von Ordensinsignien für die Familiaren, wobei zutage getretene Haltung sehr restriktiv ausfiel. Hinsichtlich der Einführung eines schwarzen Mantels hatte sich Weger bereits im Jahre 1951 ablehnend geäußert, weil er der Ansicht anhing, „dass solchen Äusserlichkeiten gewehrt werden soll“. Dennoch sprachen sich die Südtiroler Confratres für die Einführung eines schwarzen Mantels aus, weil ein solcher in Deutschland und Österreich schon seit der Mitte der 50er Jahre bzw. seit 1957 in Verwendung stand, und man trotz aller Skepsis den Standpunkt vertrat, davon nicht abstehen zu können. Allerdings sollte dieser Mantel aus einem Stoff bestehen, „der schön fällt und nicht knittert“. Auf keinem Fall sollte er aus Samt sein, das Kreuz an der linken Mantelseite sollte „etwas kleiner sein als bei den Familiaren in Österreich und Deutschland“, zum einen weil dies „vornehm und edel“ wirke, zum Zweiten wohl aber deshalb, weil alles andere als zu protzig und dem Empfinden des Südtirolers als unpassend ansah.
In dieser ersten Vollversammlung übernahm denn auch Prior P. Wolfgang Schnitzer das Amt eines geistlichen Assistenten, damals noch „Beirat“ genannt, allerdings nur unter der Voraussetzung einer Genehmigung durch Hochmeister Tumler, die knappe drei Monate später erfolgte.
Organisatorische Entwicklungen und Herausforderungen
Mitgliederzuwachs und Strukturveränderungen
Von da ab setzte ein massiver zahlenmäßiger Ausbau des Familiareninstitutes ein. Bis zur nächsten (zweiten) Vollversammlung wurden ihm nicht weniger als 13 neue Confratres zugeführt, die im Rahmen von zwei Investituren – am 23. April und am 19. November 1967 – eingekleidet wurden. Mit ihnen war die Gesamtanzahl der Südtiroler Familiaren auf 25 angestiegen, zumal der Confrater Alois Margesin zu diesem Zeitpunkt durch Tod bereits wieder ausgeschieden war.
Angesichts der großen Anzahl von Confratres beschloss nun die 3. Vollversammlung vom 26. Jänner 1969, sich künftig „viermal im Jahr, und zwar jeweils um Quatember, in Bozen (zu) treffen“. An diesem Zeitpunkt zählte das Familiareninstitut bereits 33 Mitglieder, zumal am Elisabeth-Tag 1968 acht weitere Aspiranten aufgenommen worden waren.
Bei dieser Vollversammlung trat Franz Weger aus Altersgründen – er war bereits 78 Jahre alt - von der Spitze der Familiaren zurück, er übernahm fortan aber die Balleikasse, die bisher P. Wolfgang Schnitzer geführt hatte. Als Nachfolger wurde Franz Kemenater bestimmt, der diese Aufgabe mehr als 13 Jahre, bis zur Vollversammlung am 22. Mai 1982, ausüben sollte.
Organisatorische Entwicklungen und Herausforderungen
Herausforderungen und Widerstand
In dieser Zeit kam es über Initiative gewisser Kreise in Deutschland zur Empfehlung an das Hochmeisteranmut in Wien, zwecks vermeintlicher Stärkung der Position des Ordens in den Gebieten jenseits des Eisernen Vorhanges künftig das Attribut „Deutsch“ aus der offiziellen Ordensbezeichnung zu streichen, wogegen die Südtiroler Familiaren, in dieser Angelegenheit von Cfr. Fritz Ebner angeführt, vehement Stellung bezogen und dem Hochmeister eine auf der 4. Jahresvollversammlung einstimmig verabschiedete Resolution unterbreiteten, diesem Ansinnen unter keinen Umständen Rechnung zu tragen.
In den folgenden Jahren fanden einige weitere Investituren statt (1973, 1976, 1978, 1979), dennoch sank die Gesamtzahl der Familiaren in Südtirol bis Mai 1979 auf 39 Mitglieder ab, weil seit der Rigler-Feier im Jahre 1973 nicht weniger als 9 Confratres verstorben waren.
Bei der Investitur vom 5. Mai 1979 in der Deutschhaus-Kirche in Bozen waren erstmals auch 2 Confratres aus Nordtirol investiert worden, was auf einen Beschluss des Familiaren-Vorstandes zurückzuführen war, wonach eine „gemeinsame Investitur (als) ein Ansporn zu einer stärkeren Verbindung zwischen Nord und Süd“ zu sehen und daher anzustreben wäre. Eine weitere Investitur gesamttirolischen Charakters fand ein Jahr darauf, am 11. Oktober 1980, in der Hofkirche in Innsbruck statt. In weitere Folge blieben gesamttirolische Investituren dann aber wieder aus, weil diesbezüglich balleiinterne Schwierigkeiten in Österreich entstanden waren.
Inzwischen war es bei der 16. Jahreshauptversammlung vom 22. Mai 1982 zu einem Wechsel an der Spitze der Familiaren gekommen, indem Othmar Parteli den 85jährigen Franz Kemenater im Amt ablöste, und an Stelle der Vorstandsmitglieder Josef Gruber und Franz Weger die Confratres Toni Nock und Toni Weger traten. Drei Jahre später beschloss der Balleivorstand in der Jahreshauptversammlung vom 13. März 1986 auf Anregung von Hochmeister Ildefons Pauler, in Anlehnung an die in Österreich und Deutschland gängigen Amtsbezeichnungen die Einführung der Bezeichnung „Balleimeister“ für den Balleivorsitzenden bzw. für seine Stellvertreter und „Balleikämmerer“ für den Verantwortlichen in allen finanziellen Angelegenheiten, Begriffe, die von Hochmeister Pauler mit Schreiben vom 14. März 1986 genehmigt wurden.